NaturFreunde Langenau

Geschichte

Hausbauchronik

Baustelle 1959
Baustelle 1959

Von Anbeginn der wiedergegründeten Ortsgruppe 1947 stand das Raumproblem für Jugend , Musik  und Volkstanzgruppe (in Schulräumen mehr oder weniger geduldet) immer wieder zur Diskussion.

Bereits 1949/50 wurde unter dem damaligen Obmann Karl Junginger ein "Spendenhäuschen" angefertigt und bei Vereinsabenden aufgestellt, sowie nach günstigem Baumaterial Ausschau gehalten. Mangelnde Finanzen ließen das Projekt aber wieder ruhen bzw. fast in Vergessenheit geraten. Die Idee eines Wanderweges, von einem Naturfreundehaus zum andern in Tagesetappen, ließ jedoch den Gedanken eines Hausbaus immer wieder aufkeimen: war doch Langenau als einzige der acht Ortsgruppen des Bezirks Süd Alb ohne eigenes Haus.

Als 1958 die Naturfreunde 0.G. Mergelstetten neben ihrem in den 20er Jahren erstellten Blockhaus ein modernes Massivhaus baute, ergab sich für uns Langenauer eine, unserer Meinung nach, einmalige Gelegenheit Nach eingehender Begutachtung und Aussprache unserer "Baufachleute“ über einen möglichen Ab  und Wiederaufbau, wurde in einer außerordentlichen Hauptversammlung beschlossen: Jetzt oder nie!

 

 

Naturfreundehaus nach der Fertigstellung
Naturfreundehaus

Bis zum Baubeginn waren jedoch noch einige Hürden zu überwinden. Da war als erstes die Platzfrage: "ihr bekommt einen Platz, aber warum gerade da?", war das erste Echo vom Rathaus auf eine entsprechende Anfrage. Unsere Argumente, auf unzähligen Wanderungen und Erkundungsgängen um Langenau gereift, vermochten schließlich zu überzeugen. Der notwendige Pachtvertrag erforderte Verhandlungen mit Stadtverwaltung und Landesleitung und die Baugenehmigung ging auch nicht ohne Schwierigkeiten über die Bühne. Schließlich sollte zum etwas erweiterten Blockhaus eine kleine Küche, Toiletten und eine Unterkellerung hinzukommen, sowie der Dachstuhl für ein Ziegeldach erhöht werden. "Wenn schon   denn schon" war die Devise und so konnten alle Widrigkeiten unseren Idealismus nicht bremsen.

Im Weihnachtsurlaub 1958 wurde das Blockhaus in Mergelstetten abgebaut und mit dem städtischen Transporter (LANZ BULLDOG mit 2 Hängern) nach Langenau gefahren und beim Steinschneider zwischengelagert. Den ehemaligen Langenauer Bahnhofskiosk, eine ca. 3 x 3 m große Holzhütte, erhielten wir zum Abbruch geschenkt und konnten ihn als Bauhütte am Nauursprung aufstellen.

Ab dem Frühjahr 1959 war dann reger Betrieb an der Baustelle. Wer konnte, brachte entsprechendes Werkzeug mit und in Handarbeit mit Pickel und Schaufel ging es an den Aushub, Massiver Kalkstein setzte unserem Bemühen allerdings Grenzen und die verschiedenen Bodenhöhen im Untergeschoss zeugen noch heute vom steinigen Untergrund.

Naturfreundehaus in den Sechzigern
Naturfreundehaus

An Baufacharbeitern herrschte in unserer jungen Ortsgruppe zum Glück kein Mangel, an was es uns aber fehlte war das Geld. Vom vorhandenen Vereinsvermögen (ca. 600 DM) ging schon die Hälfte für die Blockhütte an unsere Mergelstetter Freunde. Für den unvermeidlichen Materialeinkauf, wie Kies, Zement, Steine usw. schmolz das restliche Geld schnell dahin, so dass nur äußerste Sparsamkeit und Improvisation weiter halfen. Als Schalmaterial mussten Holz und Bretter vom Blockhaus herhalten, das später wieder geputzt und zum Weiterbau verwendet wurde.

Erst mit etwas dickeren Stangen aus einem Reisig Brennholzschlag wurden letzten Lücken im Gebälk geschlossen.

Der freie Samstag war noch keine Selbstverständlichkeit und so blieb für einige nur der Samstagnachmittag und der Feierabend als Zeit zur Mithilfe. Besonders Eifrige waren sogar am Morgen vor dem Geschäft und im Urlaub auf der Baustelle am Werken.

Beim Richtfest Vereinsabend hieß es: "Beim Richtfest zahlt der Bauherr. Das sind wir selber, also zahlt auch jeder sein Getränk selber!"

Die Zutaten zum Wurstsalat wurden gespendet, wie überhaupt immer eine Spende, auch von Nichtmitgliedern, über die ärgsten finanziellen Sorgen hinweg half. Besonders nach dem Kauf der Dachziegel herrschte völlige Leere in der Vereinskasse, doch Darlehen und Zuschüsse von Mitgliedern und der Landesgruppe machten den Weiterbau möglich. Das erste Ziel, vor Wintereinbruch 1959 den Rohbau fertig zu stellen, um im Inneren weitermachen zu können, wurde erreicht und auch dabei arbeiteten Spezialisten und Helfer Hand in Hand.

Wiederverwertung von kostenlosem oder zumindest billigem Material war oberstes Gebot. Türen, Fenster, Wand  und Deckenverkleidung stammten groß teils von Aus  und Umbauten (Konsum) oder wurden aus Abfällen (Fliesen für Bodenbelag) hergestellt.

Ab dem Frühjahr 1960 wurde auch außen wieder mit Hochdruck gearbeitet. Außenputz und Anstrich, Gartengestaltung und Heckenpflanzung, Brunnenbau, usw. erforderten noch unermüdlichen Einsatz, um unser Werk bis zur Einweihung im Hochglanz erstrahlen zu lassen.

Vieles und viele wären noch erwähnenswert, doch würde es den Rahmen dieser Chronik sprengen. Die Erstellung unseres "Häusle" war eine einmalige Gemeinschaftsleistung und ein Meilenstein in der Geschichte der Langenauer Naturfreunde.

Ein paar Daten der jüngeren Geschichte

 

1988  neue Spülmaschine und Kaffeemaschine, Wipptiere für Kleinkinder und neue Schaukel auf dem Spielplatz
1992Kletterpyramide und Stufenreck auf dem Kinderspielplatz
1995Rauchverbot im Vereinsheim bei Kinderveranstaltungen
1996Sitzflächen auf der Westseite errichtet
1997Das Naturfreundehaus wird innen und aussen gestrichen
1998Boden des kelinen Aufenthaltsraumes wird gefliesst
1999neuer Korkboden für das Spielzimmer
2000Umbau und Einbau einer neuen Küche und 2 Dachfenster
2001Neue Vorhänge und Kissen im Aufenthaltsraum, Rauchverbot im Vereinsheim Sa. u. So. 14.00 - 17.00 Uhr
2005Installation einer Photovoltaikanlage
2006neue Sitzgruppen aus Holz im Aussenbereich
2007Treppe der grossen Rutsche wird erneuert Renovierung des Spielzimmers
2008neue Fenster im Naturfreundehaus eingebaut
2009Errichtung einer Boulebahn und DSL Anschluss
2010neue Schaukel auf dem Kinderspielplatz
2011Umgestaltung des kleinen Aufenthaltsraumes (Allgäu-Stüble), neue Holzdecke im grossen Aufenthaltsraum und Einbau eines Be.- u. Entlüftergerätes

 

 

 

Erweiterungsbau 1982

Als die Kosten für den Kanal- und Wasseranschluss "verdaut" waren, das war 1980/81, ging man in der Vereinsleitung daran den Umbau des Hauses konkret zu planen. Mitglied Günther Glöckle erklärte sich bereit, die Planung und Bauleitung zu übernehmen. Länger dauerte die Diskussion, ob man während der Baumaßnahme das Haus geöffnet halten kann oder schließen muss. Der Vorschlag von Klaus Junginger, eine Treppe am Balkon anzubringen um in das vordere Haus zu kommen, wurde akzeptiert, somit konnte das Haus "eingeschränkt" weiter bewirtschaftet werden.

Viel Arbeit für mich war es die Finanzierung sicher zu stellen. Es mussten verschiedene Anträge beim Landesverband und beim Landeshäuserfond gestellt werden, dies bedeutete für mich, dass ich einige Fahrten nach Stuttgart machen musste. Diese Fahrten unternahm ich - bis auf eine, bei der mich Wolfgang Frey begleitete - alle alleine, da sich von der Vereinsleitung niemand bereit erklärte mitzufahren. Auch die Kosten für die Fahrten trug ich rein privat.

Nur einmal kam Franz Wohnhas, damals Vorsitzender des Landeshäuserfonds, nach Langenau, um uns über den Landeshäuserfond "aufzuklären" Dieses Gespräch war nicht sehr erfreulich, wir hatten als Ortsgruppe 30.000 DM im Fond angespart und somit, laut Satzung, einen Anspruch auf ein zinsloses Darlehen von ebenfalls 30.000 DM, rückzahlbar innerhalb von 5 Jahren, das war mir bekannt. Franz zweifelte, ob wir in der Lage sein würden, die 30.000 Mark innerhalb der Zeit zurückzuzahlen und wollte das Darlehen "drücken" ' Was ihm aber nicht gelang und er es vorzog heimzufahren. (Später wurde dann bekannt, dass im Landeshäuserfond nicht immer satzungsgemäß gearbeitet wurde.)

Der Kostenvoranschlag belief sich auf ca. 50.000 DM und so wurde dann auch der Finanzierungsplan aufgestellt. Später bekamen wir von der Stadt Langenau noch 3.000 DM Zuschuss. Noch bei der Planung kam die Frage auf, ob man nicht den Kellerabgang breiter machen könnte. Günther Glöckle sagte: "Dann müsste man das ganze Haus um etwa 0,5 m nach Osten hin breiter machen und das würde ca. 20.000 DM Mehrkosten verursachen" ' Da fuhr der damalige Kassierer Ludwig Junginger von seinem Stuhl auf und sagte: "ich habe 150.000 DM zur Verfügung und wenn ihr mehr Geld ausgeben wollt, dann müsst ihr einen neuen Kassierer suchen".

Die Diskussion war somit beendet, das Resultat ist bekannt. Eine längere Diskussion gab es auch wegen dem Durchgang Küche/Aufenthaltsraum. Vorgesehen war nur ein Schalter ohne Türe. Es wurde von einigen "Hausdienstlern" gedroht, wenn keine Türe zwischen Küche und Aufenthaltsraum eingebaut wird, machen sie keinen Hausdienst mehr. Auch dieses Resultat ist bekannt.

In einer schier endlosen Geschichte wurde der Zugangsweg zum Haus in seiner heutigen Form diskutiert. Es kamen die eigenwilligsten Vorschläge, z.B. schräg vom Hohlweg Richtung Hütte, über Treppen am Haus entlang, senkrecht vom Hohlweg über Treppen, einer war von der unteren Kellertür über die Kellertreppe ins Haus usw. Bei einer "Ortsbesichtigung" an einem Sonntag morgen wurde dann der heutige Zugangsweg beschlossen. Als Baufirma konnten wir die Firma Haide gewinnen, die uns preislich sehr entgegenkam. Auch die Stadt Langenau unterstützte uns mit LKW (Georg Junginger) und sonstigem "schwerem Gerät".

Beim Abbruch wurde festgestellt, dass das "Blockhaus" in einem sehr schlechten Zustand war. Nach kurzer Beratung wurde einstimmig der Abriss beschlossen. Am Donnerstagabend wurde abgerissen und am Samstagabend wieder aufgerichtet. Am Montag darauf wurde das Dach eingedeckt. Es musste schnell gehen, wir hatten für diesen Teil des Hauses keine Baugenehmigung. Nun entstand eine Finanzierungslücke von ca. 10.000 DM. Bei einer außerordentlichen Hauptversammlung wurde nachträglich der Abbruch von den Mitgliedern genehmigt und die 10.000 DM durch Darlehen der Mitglieder aufgebracht.

Fazit: Alles in allem betrachtet verlief die Bauphase ruhig. Mitglieder zum Arbeiten waren immer genügend da. Die Zusammenarbeit in den 1200 Stunden war einmalig gut.

An Fremdkräften hatten wir einen Baggerfahrer der Firma Haide und drei Gipser der Firma Hampel aus Elchingen, die das ganze Haus an einem Samstag innen verputzten. Alle Handwerker kamen aus dem Verein.

Die neue Garderobe, die Verkaufstheke, ein Sideboardschrank im Aufenthaltsraum, die Holztüren mit Rahmen, sowie viel Holzmaterial (Holzdecken, Bretter und Schalmaterial) besorgte unser Mitglied Horst Mack aus Mohnheim für uns zu äußerst günstigen Bedingungen.

1983 oder 84 wurden wir vom Lions-Club Ulm/Neu-Ulm für die beste Gemeinschaftsarbeit innerhalb der Region Ulm ausgewählt und bei einer kleinen Feier im Naturfreundehaus wurde uns vom Club ein Scheck über 5.000 DM überreicht.